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# meine Geschichte

Lebensqualität erkennen, benennen und gestalten
Herausgegeben von in Lebensqualität ·
Tags: Test
meine eigene Geschichte und Lebensprüfungen

Ich wurde als unehelicher Sohn geboren und von der Oma erzogen, die eine gescheiterte Ehe nach dem Krieg mit ihm verarbeitete. Meine Mutter wollte es allen recht machen und hatte für alle Zeit, nur nicht genug für mich. Ich wollte alles besser machen und doch fiel ich, wenn es eng wurde, immer und immer wieder in das gleiche Muster meiner Erziehenden zurück. Als junger Mann wollte ich genau das verhindern und doch fand es schleichend Einzug in sein Leben. Erkannt ist noch nicht gebannt und einmal geschafft ist es noch nicht überstanden. Es bleibt eine tägliche Aufgabe, mir die Zeit für meinen Sohn zu nehmen. Dabei macht nicht der Umfang, sondern die Qualität der Zeit den entscheidenden Unterschied. Ganz im hier und jetzt bei meinem Sohn zu sein und nicht von Liebe zu reden, sondern ihn diese spüren zu lassen.

Ich dachte auf dem Schulweg oft: was will ich hier, keiner versteht mich?!, wer liebt mich denn?, wer sieht mich? und was soll es noch.? Auf meinem Weg schaute ich immer die Treppen eines querenden Weges hinab. Oft sah ich dort, aussichtslos wie ich mich sah, auf mein eigenes Begräbnis hinab. Ich dachte mir immer wieder die Reden zu meiner Beerdigung aus. Eines Tages meinte ich die Worte  derer, die mich zweifeln ließen, nichts wert zu sein, zu hören. Mit voller Wertschätzung redeten Sie über mich. Sie schätzten plötzlich an mir meine Kritik und meine Ideen, wie es anders und vielleicht besser gehen könnte. Den Mut, die Energie, sich für eine bessere Welt einzusetzen und dafür auch unangenehm zu sein. Es müsse mehr solche Menschen auf der Welt geben. und es lohnt sich, den Weg zu gehen. Diesmal fasste ich einen Entschluss. Ich sagte mir - nein, ich bleibe - ich  werde weiter unbequem sein und für meine Überzeugungen einstehen. Ich zweifle nicht mehr an meinem Weg . Ich vertraue mir und meinem Gefühl.

Ich verlor meinen 16-jährigen Bruder, weil dieser aufgegeben hatte. Aufgegeben, weil er sich nicht verstanden und gesehen fühlte. Als die Nachricht von seinem Tod in der Schule ankam, war an Unterricht nicht mehr zu denken. Er hatte viel für die Schule und die Schüler bewegt und so endete für 800 Schüler an diesem Tag der Unterricht mit der Nachricht. Die Beerdigung fand in der großen Kirche statt, damit  alle Schüler Platz hatten, um von ihm Abschied zu nehmen. Die Reden hatte ich  mit den Lehrern, den Rektoren und den Schülern abgestimmt. Sein Tod sollte einen Sinn haben und kein Beispiel für andere geben. Es wurde ein Blick nach vorn, eine Ansprache an die sprachlosen Schüler für mehr Achtsamkeit. Für alle jungen Schüler, die wie er zweifeln sind folgende Videos gedacht:




Ich  musste meine 34-jährige Lebensgefährtin innerhalb von 13 Tagen auf der Intensivstation gehen lassen. Ich begleitete sie in den letzten Stunden, doch  heute sehe ich es eher so, dass sie mich begleitete. Die Energie des Prozesses, die Erfahrung, eine geliebte Person gehen und los zu lassen und die Bedeutung der Endlichkeit unseres Daseins waren wichtig, um auch 14  Jahren später den Prozess seiner auf eine Spenderlunge warteten Frau und Mutter seines Sohnes zu meistern. Der Moment der Entscheidung und das Erleben, dass all ihre Lieben in dem Moment um sie waren und ihre letzte Träne als Dank für die gemeinsame Zeit werde ich nie vergessen. Ihre bereits vor Wochen gemachte Aussage, dass ihr nichts besseres im Leben passieren konnte als die Liebe zu ihm, gab mir die Kraft, erneut aufzustehen. Ich war auch nicht mehr allein, denn mein Sohn begleitet mich.

Ich  meinte lange, wenn es meinem Sohn gut geht, dann geht es auch mir gut. Ein schwerer Denkfehler, denn so lag meine Energie nicht in mir, sondern wurde durch meinen Sohn bestimmt. Langfristig wird das schief gehen, denn erst wenn es mir gut geht, dann kann ich das geben, was mein Sohn benötigt. Dann habe ich die Energie, meinem Sohn den roten Faden aufzuzeigen, die verlässlichen Leitplanken zur Orientierung zu bieten. Meinem Sohn zu vermitteln, wie wichtig es ist, sich selbst wert zu schätzen, in sich zu ruhen, statt abhängig von anderen und deren "oft sehr äußerlichen Wertungen" zu sein. Es ist mein Ziel meinem Sohn die Kraft spüren zu lassen, dass es da jemanden gibt, egal ob er Gott, oder anders heißt, der ihn einfach so lieb hat wie er ist. Dass es okay ist wie er ist.
 

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